8 Buchtipps für den Lockdown

Weihnachtslockdown, Salami-Lockdown oder Lockdown 2.0 – nennt es wie ihr wollt. Fest steht: das Jahresende 2020 verbringen wir in unseren eigenen vier Wänden. Keine besinnliche und von Omas Eierlikör volltrunkene Weihnachtsfeier mit der ganzen Familie, keine wilde Sylvester Party und auch keine Jahreswechsel-Küsschen mit den Freunden. Und auch das Spazierengehen ist bei Regen und Grau-in-Grau nicht allzu verlockend. Mein Tipp: eine Tasse Tee kochen, den Schokoladenweihnachtsmann griffbereit und mit einem guten Buch ab unter die Decke. Abtauchen in Geschichten und Erzählungen, die uns entweder in eine ganz andere Welt entführen oder uns zeigen, wie gut wir es dann doch in unseren vier Wänden haben. Hier meine 8 Buchtipps für den Lockdown. Viel Spaß beim Schmökern!

Das Buch eines Sommers, Bas Kast (2020)

In der Tretmühle des Lebens, in der unser Job alles andere dominiert, merkt man oft erst durch den Verlust eines geliebten Menschen, wie weit man sich von sich selbst entfernt hat. Oder, dass man sich selbst noch gar nicht richtig kennen gelernt hat. Und was ist dieses Selbst überhaupt? Fragen mit denen sich in diesem Roman der dauerhaft gestresste Familienvater und Geschäftsführer Nicolas auseinandersetzen muss. Fragen, mit denen man sich als Leser plötzlich konfrontiert fühlt. Sind wir, wer wir wirklich sind? Die Frage nach dem eigenen Sein wird in diesem Roman leicht und liebevoll behandelt. Für alle, die grade über ihr Leben nachdenken – oder das mal dringend machen sollten.

In der Hölle tanzen, Edith Eger (2017)

Menschen, die nicht auf ihre Kontakte verzichten wollen und Menschen, die nicht bereit sind eine Maske zu tragen – oft frage ich mich, woher diese Ignoranz gegenüber Leben kommt? Ich kann es nicht beantworten, aber ich kann eine Lektüre empfehlen, die den Blick auf das Leben nochmal neu ausrichtet. Denn Edith Egger erzählt nicht nur davon, wie sie 1944 verschleppt wurde, sondern auch davon, wie sie ihre Mutter in eine Gaskammer gehen sah. Sie musste vor Mengele um ihr Leben tanzen – und überlebte Auschwitz. Trotz dieses kaum zu beschreibenden Erlebten, baute sie sich in den USA ein neues Leben auf. Sie wurde erfolgreiche Psychologin und Therapeutin und schrieb dieses lebensbejahende Buch. Um Friedensnobelpreisträger Desmond Tutu zu zitieren: „Dieses Buch ist ein Geschenk an die Menschheit. Eine dieser seltenen und kostbaren Geschichten, die einen verändert zurücklassen.“ Erschütternd, ermutigend und faszinierend.

Alte Sorten, Ewald Arenz (2019)

Kennt ihr das? Auf der Suche nach dem ultimativen Buch schlendert ihr eine gefühlte Ewigkeit durch den Buchladen. Am Ende liest man unzählige Klappentexte und schaut sich so viele Buchcover an, dass man schon den Überblick verloren hat und alles gleich klingt. Genau in diesem Moment, als ich schon aufgeben wollte, hat mich das hübsche und interessant gestaltete Cover dieses Werkes angezogen. Und der Inhalt hat gehalten, was die Optik versprochen hat: Eine Geschichte die gefühlvoll und zart, aber zugleich wütend und stark ist, so wie ihre beiden Protagonistinnen. Die 17-jährige Sally, die so ziemlich alles hasst, vor allem Fragen nach ihrem Aussehen begegnet der älteren und sehr verschlossenen Liss, die alleine auf einem Hof lebt. Eine ungewöhnliche Freundschaft zwischen zwei Frauen, die unterschiedlicher und gleicher nicht sein könnten. Dieser Roman braucht keine dramatisch kitschige Pärchengeschichte, um voll ins Herz zu treffen.

Die unerträgliche Leichtigkeit des Seins, Milan Kundera (1984)

Wer sich an meine Tipps vom letzten Mal erinnert weiß, dass ich was für Leidenschaft a la Anna Karenina von Tolstoi übrig habe. Und in eben dieser Zerrissenheit von Gefühlen bewegt sich auch diese Geschichte von Kundera. In dem Roman, der im Prag der 60er Jahre spielt, sind Liebe und Sexualität sowie Politik die zentralen Themen. Dabei geht es vor allem um Tomas und Teresa, die zwar ein Paar sind, aber trotzdem ein unterschiedliches Verständnis davon haben, was diese Beziehung bedeutet. Denn Tomas liebt Teresa, kann aber auf seine Affären nicht verzichten. Über der ganzen Geschichte, die durch politische Entscheidungen noch dramatischer wird, schwebt der philosophische Gedanke, dass das Leben doch einmalig und dadurch wahnsinnig leicht sein müsste. Gewicht und Bedeutung hätte es nur, wenn es ständig wiederkehren würde. Ihr merkt schon, hier haben wir ein Werk für Anspruchsvolle. Aber wenn nicht jetzt die perfekte Zeit für eine solche Geschichte mit Gehalt ist, wann dann? Für zarte und heftige Gefühle, für Philosophen und Liebende.

Vom Ende der Einsamkeit, Benedict Wells (2016)

Ich weiß gar nicht mehr, wie ich zu diesem Buch kam – ich weiß nur, dass es mir wahnsinnig oft empfohlen wurde. Und wie es manchmal so ist: umso öfter einem etwas empfohlen wird, desto weniger anziehend wirkt es. Daher habe ich 2016 den ersten Hype um dieses Buch gekonnt ignoriert. Nur um es dann doch irgendwann zu lesen und eingestehen zu müssen: dieser Hype ist sowas von berechtigt! Es geht um Jules und seine Geschwister, die als Kinder ihre Eltern verloren haben und glauben, diesen Schicksalsschlag als Erwachsene überwunden zu haben. Doch dem ist nicht so. Und so hat jeder auf seine Weise gelitten. Wie kann man Verlust und Einsamkeit überwinden und wie weiß man, woher man kommt? Und dann ist da noch diese lebenslange Liebesgeschichte… Ich habe selten bei einem Buch so viel geweint und trotzdem lässt es einen nicht traurig zurück. Für alle, die den süßen Schmerz von Schönheit und Traurigkeit suchen.

Das Buch der Königin, Sabine Weigand (2014)

Eine Frau im Mittelalter, die frei von männlichen Erwartungen und gesellschaftlichen Zwängen leben möchte. Eine Geschichte, wie sie schon andere Romane erzählt haben. Man könnte meinen diesem Konstrukt überdrüssig zu werden. Ich nicht. Zum einen habe ich was für historische Romane übrig – wahrscheinlich weil es irgendwie dieselbe Welt ist, ohne dieselbe zu sein, und so meine Phantasie beflügelt. Zum anderen kann es nicht genug starke Geschichten von starken Frauen geben. In diesem Fall ist es Königin Konstanze, die heimliche Schlüsselfigur der Stauferdynastie, die als Mutter, Rebellin und Erbin für ihre Daseinsberechtigung und ihre Regentschaft kämpft. Als unfruchtbar verschrien, bringt sie mitten auf dem Marktplatz von Jesi ihren Sohn zur Welt. „Jetzt erstrecht“ scheint ihr Kredo zu sein. Und ganz unabhängig von ihrer Geschichte, finden kleine Nebenhandlungen statt, die dafür sorgen, dass man schnell das Gefühl hat, mittendrin statt nur dabei zu sein. Starke Frau, starke Geschichte!

Tod & Teufel, Frank Schätzing (1995)

Irgendwo in einem Second Hand Laden stöbernd, viel mir dieses Buch in die Hände. Ehrlich gesagt: ich habe es nur mitgenommen, weilSchauplatz der Ereignisse unser schönes Köln ist. Nachdem es lange Zeit ein Leben als Fensterstopper gefristet hat, habe ich es diesen Herbst in Ermangelung an Alternativen an einem verregneten Sonntag mit auf die Couch genommen. Und was soll ich sagen? Ich liebs! Man folgt dem charismatischen und liebenswerten Dieb Jacop durch unser mittelalterliches Kölln im Jahr 1206. Er hat beobachtet, wie jemand den Kölner Dombaumeister vom Gerüst in den Tod gestürzt hat. Und plötzlich ist der Mörder auch hinter ihm her! Zusammen mit Jacop durchstreift man die Stadt, besucht viele bekannte Ecken und lernt noch das ein oder andere über den kölschen Klüngel. Teuflisch spannend und zugleich humorvoll. Ein Volltreffer für alle, die Köln und Krimis lieben.

 

So stärken Sie ihr Selbstwertgefühl, Stefanie Szahl, 2011

 

Beim letzten Mal hatte ich euch „Das Kind in dir muss Frieden finden“ von Stefanie Stahl vorgestellt. Und auch dieses Mal ist wieder ein Ratgeber von ihr dabei. Einige mögen sowas belächeln. Ich dagegen finde, warum nicht genau diese aktuell sehr stille Zeit nutzen und sich selbst besser kennen lernen? Natürlich ist in solchen Büchern nicht immer alles hundert Prozent auf das eigene Leben anwendbar. Aber das muss es ja auch nicht, oft reichen einige Erkenntnisse und man durchschaut plötzlich eigene Verhaltensweisen und Muster, die einem lange nicht bewusst waren. Und sind wir mal ehrlich, wer von uns hat ein zu hundert Prozent gefestigtes Selbstwertgefühl? Mir hat dieses Buch dabei geholfen, mich und auch einige Menschen um mich herum besser zu verstehen. Dabei schreibt Stefanie Stahl wie immer leicht verständlich, reflektiert und kurzweilig. Für alle, die sich und andere besser verstehen wollen.

 

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