Das große Ausmisten im Kleiderschrank

Mit einem Glas Wein in der Hand stehe ich vor dem bunten Berg Klamotten, der meinen halben Wohnzimmerboden bedeckt. Zu meinen Füßen liegen Schuhe, Jacken, Taschen, Jeans, Pullover und alles andere was die Modeindustrie so hergibt. Die gesammelten Werke der letzten Jahre Shopping und Sale-Rausch warten darauf, von mir begutachtet, sortiert und gegebenenfalls aussortiert zu werden. Denn die heutige Mission lautet: Klamotten ausmisten und ab mit dem Zeug auf den Flohmarkt!

Fix suche ich mir noch die passende Playlist auf Spotify raus. Denn mit der passenden Musik gehen solche Vorhaben doch gleich viel leichter von der Hand. Und wie ich so den Klamottenberg betrachte, freue ich mich sogar richtig darauf, Ordnung zu schaffen. Denn seit meinem Umzug letzten Sommer stand ein Großteil der Kleidungsstücke verstaut in Kartons im Keller. Gut, ich bin startklar und setze mich in die Mitte des bunten Chaos. Ich sortiere in zwei Kategorien: Behalten vs. Flohmarkt.

Wann habe ich dieses Kleid zuletzt getragen?

Während ich mich durch die Klamotten wühle, fallen mir immer wieder Teile in die Hand, die ich lange nicht gesehen habe. Und automatisch werden Erinnerungen geweckt. Ganz besonders ein rotes Kleid mit Blumenmuster ruft Bilder, von einem sehr romantischen Abend auf Sizilien vor zwei Jahren, hervor. Ich halte den Stoff in meinen Händen und lasse den Abend vor meinen Augen nochmal Revue passieren. Ich erinnere mich an die Hitze und die Mandarinenbäume, unter denen wir zu Abend gegessen haben. Den Geschmack von Muscheln und Weißwein, die lauten und fröhlichen Unterhaltungen der Italiener. Es war ein besonders schöner Abend und ich genieße die Erinnerung daran. Ich frage mich, warum ich das Kleid letzten Sommer nicht einmal getragen habe und entscheide mich für den Haufen „Behalten“.

So geht es mir mit vielen weiteren Teilen: Schuhe in denen ich mir die schlimmsten Blase jemals geholt habe, ein Bikini den ich in Thailand am Strand gekauft habe, das knallpinke Halstuch, was meine Mutter mir geschenkt hat… . Ich schwelge in schönen Erinnerungen, die so bunt sind wie der Berg Klamotten um mich herum. Während ich so da sitze und mich an tolle Urlaube und Erlebnisse erinnere, stelle ich plötzlich aber auch etwas ganz anderes fest: Wie sehr ich mich verändert habe und vor allem, wie verschwenderisch ich war. Denn ich halte Teile in meinen Händen, die ich nur einen Urlaub lang, vielleicht sogar nur für einen Anlass getragen habe. Eine Jacke von Hallhuber mit Preisschild dran und sowieso teilweise sehr teure Kleidung.

Shoppingrausch durch Social Media?

Die schönen Erinnerungen sind verflogen, jetzt schäme ich mich tatsächlich ein wenig. Denn so wurde ich nicht erzogen, so bin ich nicht groß geworden. Wir hatten nie viel Geld, vor allem nicht um es wie verrückt für teure Klamotten aus dem Fenster zu werfen. Ich frage mich wie es dazu kam, dass ich für einen gewissen Zeitabschnitt in meinem Leben so gierig nach immer neuen Looks war. Während ich an meinem Glas Wein nippe, denke ich an die letzten 2 – 3 Jahre zurück. Es gibt viele Faktoren die wahrscheinlich dazu beigetragen haben. Vielleicht meine damalige Beziehung. Vielleicht aber auch, dass ich nach erfolgreicher Absolvierung meines Masters endlich über etwas Geld frei verfügen zu konnte. Aber über einen ausschlaggebenden Grund bin ich mir ziemlich sicher: Instagram.

Im April 2016 meldete ich mich bei Instagram an. Während anfangs nur Urlaubsbilder von thailändischen Palmen, dem Strand und Kokosnüssen in meinem Feed landeten, kam ich schnell auf den Geschmack Bilder von mir zu posten. Um hier nicht allzu weit auszuholen: Es machte einfach Spaß! Die Kommentare und das Feedback zu mir und meinen Outfits waren so toll und motivierend, dass ich bald nicht genug davon bekam. Eine gefährliche Spirale, die ich in einem anderen Artikel mal genauer betrachten werde. Letztendlich ließ ich mich täglich durch Instagram inspirieren was neue Looks anging und war auch selber immer auf der Suche nach neuen Teilen. Nach extravaganten, stylischen oder gehypten Stücken. Auf jeden Fall brauchte ich neue Outfits, ständig! Um eben ständig neue Fotos posten zu können. Jeden Samstag war Shoppingtag und Asos-Packete kamen im Wochentakt. Das Ergebnis liegt nun zu meinen Füßen.

Schluss damit!

Ich bin froh durch meine Selbstständigkeit, meine Trennung und meinen Umzug auf dem Boden der Tatsachen gelandet zu sein. Denn die finanziellen Einbußen im letzten Jahr, haben mich knallhart gelehrt, wieder vernünftig mit meinem Geld zu haushalten. Ich shoppe immer noch gerne, aber bewusster. Ich hole mir auf Instagram immer noch Inspiration, bleibe dabei aber mehr ich selbst. Und natürlich poste ich immer noch gerne Outfit-Bilder auf meinem Account, aber nicht mehr weil ich das Gefühl habe ich MUSS. Auch verurteile ich das ganze durch Instagram ausgelöste verstärkte Shoppingverhalten nicht – ich kann es nur für mich selbst beurteilen. Und dabei bin ich bin zu dem Schluss gekommen, dass dies halt eine Phase in meinem Leben war, die ich durchlebt, sehr genossen und nun wieder abgelegt habe. Vieles im Leben hat nunmal seine Zeit und seine Daseinsberechtigung. Aber jetzt ist es halt Zeit für was Neues, eine neue Carina.

Kleiderschrank Ausmisten und unserer mentalen Gesundheit etwas Gutes tun!

Ziemlich zufrieden sitze ich nun zwischen meinen Bergen „Flohmarkt“ und „Behalten“. Ich fühle mich befreit und bin froh, wieder etwas über mich gelernt zu haben. Es hat gut getan, zu reflektieren. Auch habe ich das Gefühl, in dem ich mich von bestimmten Klamotten trenne, teilweise mein altes Ich noch ein Stück weiter abzulegen. Und außerdem habe ich jetzt Platz für neue Klamotten!😄 (Spaß!)

Räumt auf und mistet aus. Macht euch frei von Altlasten und Ballast. Damit meine ich nicht nur eure Schränke! Gedanken, Verhaltensweisen, Gewohnheiten, Gefühle und vielleicht auch Menschen. Was euch nicht länger gut tut, womit ihr euch nicht mehr identifizieren könnt, das muss gehen.

Herzlichst, eure Carina ❤️

Meine letzten Beiträge