Herbstduft

Jeden Tag radel ich mit meinem hellblauen Drahtesel die selbe Strecke zur Arbeit. Durch Sülz und Lindenthal, um über den inneren Grüngürtel und vorbei am Mediapark zum Ebertplatz zu gelangen. Immer vorbei an den vielen Geschäften auf der Berrenrather Straße, wo schon morgens früh das Sülzer Leben pulsiert. Während ich an der roten Ampel halten muss, beobachte ich die Menschen. Wie unterschiedlich jeder von ihnen in seinen Tag startet, jeder auf seine ganz eigene Weise. Dann, weg von der Straße und ihren vielen Autos, genieße ich die Fahrt über den Grüngürtel. Im Sommer war hier morgens schon immer wahnsinnig viel los. Sportler, Kinderwagenschieber, Gassigeher und viele andere Kölner die einen Spaziergang durchs Grüne machten. Es roch nach Gras und trockenem Staub, aufgewirbelt von den Joggern.

Aber still und heimlich, nur für den aufmerksamen Beobachter spürbar, hat sich was verändert. Und nun fahre ich diesen Weg entlang und halte an. Es ist frisch, die Kälte kriecht vom Boden hinauf und ich schließe meine Jacke. Ich blicke mich um und stelle fest: es ist leer, kaum ein Mensch ist unterwegs und die Sonne scheint schwächer durch die Baume zu strahlen. Mit geschlossenen Augen nehme ich noch einen tiefen Atemzug. Ich nehme den Geruch von Laub und feuchter Erde wahr und muss lächeln.

Es riecht nach Herbst – und das mag ich. Denn während alle jammern, dass uns der Sommer nun verlässt, überlege ich schon wann ich den ersten deftigen Eintopf kochen werde und wann ich meine Boots und Lederjacke rausholen kann. Ich mag die kühlen Morgen an denen sich die Luft klar und sauber anfühlt, während es nachmittags noch richtig mild wird und einem die Herbstsonne durchs Gesicht streichelt. Besonders den September und Oktober finde ich toll. Bunte Blätter, Kürbissuppe und heißer Tee – Herbst fühlt sich warm ums Herz an. Wie nach Hause kommen.

Herbst heißt nach Hause kommen

Dieses Gefühl ist für mich ein kostbares Überbleibsel aus Kindheitstagen. Ich erinnere mich gut daran, wie ich den ganzen Sommer jede Minute draußen verbracht habe. Im Freibad, im Wäldchen hinterm Haus, immer irgendwo unterwegs. Aber als es kühler wurde habe ich mit meiner Mutter angefangen bunte Blätter zu sammeln um sie in meinen Lieblingsbüchern zu trocknen. Oder Kastanien, aus denen man dann mit Hilfe von Streichhölzern seltsame kleine Tierchen gebastelt hat. Ich weiß noch, wie fasziniert ich von der glatten und braun-rot glänzenden Oberfläche der Kastanien war. Ich wünschte mir damals, dass meine Haare diese Farbe hätten. Laterne basteln für den St. Martins Zug und Mamas Linseneintopf. Herbst heißt zur Ruhe kommen, sich wohl und behütet fühlen. Sein zuhause genießen. Und in all dieser Herbstzeit schon die Vorfreude auf Weihnachten zu spüren. Ich mag diese Gefühle und Erinnerungen sehr.

Und während ich das Gefühl habe, dass meine Welt von Jahr zu Jahr schneller, digitaler, unkontrollierbarer und vor allem überfüllter wird, bade ich in diesen Empfindungen umso mehr. Ich atme den Herbst noch einmal tief ein, öffne meine Augen, trete in die Pedale und fahre mit einem glücklichen Herzen Richtung Arbeit.

Ich hoffe ihr genießt diese Zeit ebenfalls.

Eure Carina ❤️

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