Weihnachtsstimmung – was bedeutet das?

Ein vertrauter Duft weht mir um die Nase. Es riecht nach Zimt, Orangen und Nelken. Ein Duft, der sofort ein wohligwarmes Gefühl in mir auslöst. Ich schließe meine Augen, um diesen Gefühls-Duft-Mix ganz besonders intensiv zu genießen. Dabei bringe ich langsam die Tasse mit der so betörend riechenden Flüssigkeit immer näher an mein Gesicht. Voller Genuss führe ich den Becher an meine Lippen – und nehme vorsichtig einen kleinen Schluck. Köstlicher, viel zu süßer, lauwarmer, unerträglich klebriger Glühwein füllt meinen Mund. Mhhhh… Ich stoße einen kleinen Genussseufzer aus. Und noch während ich verträumt meine Augen öffne, nehmen meine Ohren eine lautstarke Unterhaltung hinter mir wahr: „Also in Weihnachsstimmung bin ich noch lange nicht! Ist doch nur wieder der pure Stress.“ Genervt drehe ich mich um. Wer wagt es meinen ersten magischen Weihnachtsmarkt-Glühwein-Moment zu stören?

Zugegeben, es ist erst Ende November, regnet wie aus Eimern und ich stehe auf einem der ersten geöffneten Weihnachtsmärkte. Da hält es sich mit besagter Weihnachtsstimmung doch noch etwas in Grenzen. Also wende ich mich wieder meinem Glühwein zu und erfreue mich an dem warmwohligen Gefühl in meinem Bauch.

Und so wird aus November ganz schnell Dezember. Mittlerweile ist alles festlich geschmückt, der Weihnachtsmarkt wird mehrmals wöchentlich besucht, man wird gefragt wo man die Feiertage verbringt und ob man schon mit dem Geschenke Kaufen begonnen hat. Im Büro, im Sportverein und in den Schulen gibt die ersten Weihnachtsfeiern und man fragt die Familie, was sie sich zu Weihnachten wünscht. Last Christmas läuft rauf und runter, an Zuckerschocks nach Backorgien hat sich der Körper bereits gewöhnt und der Winterspeck hat auf es sich auf den Hüften gemütlich gemacht. So wie immer zu dieser Jahreszeit. Ich mag das. Sehr sogar. Und mit mir wahrscheinlich auch ein Großteil der Menschheit. Man freut sich jedes Jahr auf diese Zeit, die einen gewissen Zauber verspricht. Ein Zauber, ein magisches Gefühl, getragen von Erinnerungen aus der Kindheit verbunden mit Erlebnissen aus dem Hier und Jetzt.

Keine weiße Weihnacht?

Nun ist es bereits kurz vor knapp und in wenigen Tagen ist Heiligabend. Und von all diesem Zauber ist nur eins übrig geblieben: der allseits bekannte und gerne beklagte Weihnachtsstress. Der im übrigen jedes Jahr auf den selben Mustern basiert: zu spätes besorgen von Geschenken (die dann meist mehr aus der Not gekauft werden, statt wirklich gewünscht sind), die Frage nach dem Essen für Heiligabend, was ist mit der Verwandtschaft und die Klagen über das viel zu milde, für Deutschland ja so ganz untypische Wetter.

„Bei dem Wetter, da komm ich nicht in Weihnachtsstimmung“, ist wohl der meistgesprochene Satz dieser Tage. Oder geschriebene. Am besten in einer Caption a la: „It’s beginning to look like christmas! Na habt ihr auch schon zuhause dekoriert und einen Weihnachtsbaum geholt? Habt ihr schon alle Geschenke? Aber bei dem Wetter komm ich gar nicht in Weihnachtsstimmung, und ihr?“ unter einem Bild, wo die Person vor einem prunkvoll geschmückten Weihnachtsbaum sitzt. Hm, da passt doch was nicht zusammen. Und was ist denn überhaupt diese allseits vermisste Weihnachtsstimmung?

Weihnachtsstimmung oder doch derselbe Stress wie jedes Jahr?

Ich glaube mit dem Begriff Weihnachtsstimmung assoziieren wir oftmals und sicherlich unbewusst die kindliche Aufregung, die Spannung, das „es kaum aushalten können“ und Tage zu zählen bis Heiligabend. Allerdings sind wir nun erwachsen. Zumindest stehen wir jetzt auf der anderen Seite – auf der organisatorischen Seite von Weihnachten. Wir wissen was erledigt werden muss, kümmern uns um die Vorbereitungen, versuchen alles bis zur Perfektion zu organisieren und landen dabei allerhöchstens in dem allgegenwärtigen und größtenteils ganz eigenhändig produzierten Stress. Und in all dem Trubel glauben wir, dass uns diese magische Stimmung von Geisterhand ergreift, einfach weil es zu dieser Jahreszeit so sein muss? Weil Heiligabend in wenigen Tagen vor der Tür steht? Weil auf Social Media alle ihre Weihnachtsgewinnspiele posten und über ihre Weihnachtsbäume reden (sich aber trotzdem beklagen null in Stimmung zu sein)?

Vielleicht ist es an der Zeit das Wort Weihnachtsstimmung für sich selbst neu zu entdecken. Denn natürlich kann das Weihnachtsfest nicht dieselben Gefühle wie in unserer Kindheit auslösen. Trotzdem ist in diesem Jahr mein Herz erfüllt von einem magischen Gefühl. Es ist die Vorfreude auf Zuhause. Vorfreude auf Mama, meine zwei verrückten Brüder, auf den Besuch bei Oma, Vorfreude darauf meinen Papa zu drücken, meine Freundinnen zu sehen und die gemeinsame Zeit mit all meinen Lieben. Ja, das klingt zunächst wenig magisch – aber mich hat das Gefühl der Vorfreude mit einem Lächeln durch all den vermeintlichen Weihnachtsstress getragen. Sogar noch mehr: die Vorfreude hat mich all die Erledigungen und Termine genießen lassen!

Und um so mehr ich mich auf die Vorfreude konzentriert habe, desto stärker wurde das Gefühl. Und während ich nun diesen letzten Satz schreibe, versucht mein Bruder mich zu ärgern während Mama den Baum schmückt und laut zu „Last Christmas“ mitsingt – mein Herz schlägt einen Schlag schneller, ich muss lächeln. Da ist sie, meine ganz persönliche Weihnachtsstimmung in mir. Manchmal muss man das, wonach man sucht, in sich selbst finden – statt nur darauf zu warten, dass es einem von außen gebracht wird.

Einen zauberhaften vierten Advent wünscht euch eure Carina. ❤️

P.S.: Das war nur mein ganz eigener Weg zur diesjährigen Weihnachtsstimmung. Wie ist es bei euch?

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